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  • Farida Damayanti

Warum Mitgefühl schöner ist als Lob

Nach Auftritten und auf meinen Social-Media-Kanälen sagen und schreiben mir die Zuschauer oft, dass sie meinen Tanz schön finden. Ich weiß meist nicht, wie ich damit umgehen soll. Kennst Du das auch? Du bekommst ein Lob und spielst sofort reflexartig deine eigene Leistung herunter. In diesen Situationen entscheide ich mich mittlerweile immer für ein herzliches Dankeschön. Ich habe dann das Gefühl, dass es dem Lobenden gut tut zu spüren, dass seine liebevollen Worte auch ankommen. Dieser Austausch positiver Worte macht Lob sehr wertvoll und mich sehr glücklich.


Tanze ich für das Lob der Zuschauer?


Trotz dieser Sichtweise habe ich angefangen mich selbst zu fragen: Tanze ich auf der Bühne, um gelobt zu werden? Denn ich möchte auf keinen Fall von Lob abhängig sein - nur vor Publikum tanzen, weil ich dann die Bestätigung bekomme, dass ich es gut gemacht habe. Schnell habe ich für mich herausgefunden, dass es um mehr geht als reines Lob. Lob ist schön, aber viel schöner ist es, Gefühle bei den Zuschauern hervorzurufen. Dann begeistert der Tanz so sehr, dass auch beim Zuschauer ein wohlig warmes Gefühl von Glück und Freude aufkommt.



Der Unterschied zwischen Mitgefühl und Lob

Wenn jemand zu mir sagt „das hat mich zu Tränen gerührt“ oder „ich habe jetzt richtig gute Laune“, dann ist das für mich noch erfüllender als ein „das hat schön ausgesehen“ oder „du kannst sehr gut tanzen“. All diese Aussagen sind lieb gemeint, erfordern Mut auszusprechen und für beide Varianten bin ich sehr dankbar. Doch ist das Mitgefühl noch viel berührender, geteilte Freude ist ja bekanntlich doppelte Freude. Genau darin liegt der Unterschied: Beschreibt jemand seine Emotionen und vertraut sich an, entsteht eine Verbindung zwischen Künstler und Zuschauer auf derselben Ebene. Bei Lob oder Bewunderung steht sinnbildlich immer der Eine über oder unter dem Anderen. Da ich eine Vertreterin der Gleichberechtigung bin, möchte ich mich aber lieber auf Augenhöhe mit dem Zuschauer verbinden.


Lob ist immer auch eine Beurteilung

Im Lob steckt außerdem die Beurteilung verborgen. Jemand, der Lob ausspricht ist vermeintlich eine Instanz, die sich dieses Urteil aus Erfahrung heraus bilden kann. Er oder Sie entscheidet, ob etwas schön oder hässlich, richtig oder falsch ist. Ich gehe aber nicht auf die Bühne, um mich der Beurteilung durch Andere aussetzen. Mein Ziel ist es, Lebensfreude zu teilen. Dabei kann jeder mitfühlen, ganz individuell und einzigartig. Vor allem gibt es dabei kein schön oder hässlich, richtig oder falsch. Darum geht es mir auch beim Tanzen nicht. Es geht darum Emotionen auszudrücken. Also trau Dich und beschreibe Deine Emotionen, wenn Du das nächste Mal jemandem erzählen möchtest, warum Du toll findest, was sie oder er macht. Du wirst ihr oder ihm eine noch größere Freude machen. Lob ist gut, Mitfühlen ist besser.


Hier ist direkt noch was für Dich zum Mitfühlen ;-)