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  • Farida Damayanti

Mein besonderer Bühnen-Moment

Großes Herzklopfen auf der Hochzeit meiner besten Freunde


Ein ganz besonderer Auftritt war für mich auf der Hochzeit meiner besten Freunde. So nervös war ich noch nie! Vor nur einem Menschen, den man gut kennt, zu tanzen und seine Seele auszuschütten kostet schon mehr Überwindung als vor hunderten Fremden - dann saßen da so viele liebe Menschen, die ich ins Herz geschlossen habe und denen ich die Feier verschönern wollte.


Der Hintergrund


Was man noch dazu wissen sollte: In Ingolstadt geboren und aufgewachsen weiß jeder meiner Freunde und Bekannten dort, dass ich leidenschaftliche Bauchtänzerin bin. Das gehört einfach zu meiner Identität. Mit meinem Umzug ins wunderschöne Hamburg trat der Tanz in meinem Alltag erst mal einen Schritt zurück. Berufliche und private Hürden nahmen meine Selbstverwirklichung in Beschlag. Natürlich tanzte ich weiter, aber nur für mich. Der Auftritt auf dieser Hochzeit war das erste Mal, dass ich meinem neu gewonnenen Freundeskreis mein Tänzerinnen-Ich präsentierte.


Die Zweifel


Im Vorfeld der Hochzeit kamen dadurch Zweifel auf, ob mein Auftritt gut ankommen wird. Was macht man, wenn man zweifelt? Genau, Freundinnen fragen. Ist die Choreografie auch gut genug? Kommt der Tanzstil gut an? Wird sich das Brautpaar darüber freuen? Als der Trauzeugin bei meiner heimlichen Generalprobe vor Rührung die Tränen in den Augen standen, wusste ich, dass ich das Richtige tue.



Der große Tag


Nach einer wunderschönen, romantischen Trauung, einem ausgelassenen, fröhlichen Nachmittag und einem hervorragenden Dinner mit emotionalen Reden war es dann soweit. Mit klopfendem Herzen wartete ich, bis die Gäste die Tanzfläche freigaben. Es war schon sehr spät am Abend, die Stimmung auf dem Höhepunkt, die Herzen offen – perfekt, um mit meinem Tanz die Hochzeitsgesellschaft zu berühren.


Das Lied: Die Auswahl des Musikstücks ist für mich ein essenzieller Teil, um meine Intention für das Publikum zu verdeutlichen. Es geht mir darum, schon mit der Musik ein bestimmtes Gefühl hervorzurufen. „All of me“ von John Legend ist bestimmt nicht klassisch orientalisch – aber eines der Lieblingslieder des Brautpaars und mit der gefühlvollen Melodie und dem liebevollen Songtext absolut perfekt. Ich habe jetzt noch ganz präsent das Bild in Erinnerung, wie der Bräutigam während des Auftritts das ganze Lied mitgesungen hat. Diese Gefühl wurde nur noch überboten von den offenen, begeisterten Arme, in die ich danach für noch mehr herzliche Glückwünsche fallen durfte. Die Gäste waren letztendlich so verzaubert, dass NIEMAND gefilmt hat! Und das in der heutigen Zeit! Für mich ist es der Wahnsinn, dass man so etwas mit Tanz erreichen kann.


Die Energie des Publikums


Das besondere an Auftritten wie diesem, bei denen ich dem Publikum so nahe bin, ist die Energie für und von den Zuschauern. Ich kann den Menschen direkt in die Augen schauen und ihnen meine Emotionen durch die Bewegungen meines Körpers und meine Mimik senden. Sie fließt dann auf direktem Weg wieder zu mir zurück. Es erfordert schon besondere Konzentration, sich von der überschwallenden Energie nicht aus dem Rhythmus bringen zu lassen. Die Kunst ist, sich hinzugeben, eins mit dem Tanz zu werden und einfach mitzufließen. Die Magie kommt dann auch bei den Zuschauern an. Die ganze Aufregung hat sich also gelohnt! Während des Tanzes und danach durfte ich in so viele strahlende, berührte Gesichter blicken. Das ist es – dafür liebe ich Tanz so sehr.


Photo Credit: Karlis https://www.karlis.de/


Der Text entstand im Rahmen der Reihe "Mein besonderer Bühnen-Moment" auf dem Blog meiner Tanzkollegin Kerstin: Dein Körper tanzt